e-Mobility-Förderung – ein Kommentar

Freitag, 27. Mai 2016 at 9:19

 

Elektromobilität

Hallo liebe Leserinnen und Leser,

endlich geschafft! Die Bundesregierung hat eine e-Mobility-Förderung mit einer sta(at/tt)liche Kaufprämie von 4000 € für Elektrofahrzeuge beschlossen. Außerdem wird die Kfz-Steuer für 10 statt 5 Jahre erlassen und es sollen mehr Ladestationen gebaut werden. Tatsächlich ist der Beschluss ein Verzweiflungsakt. Die Erwartungen sind drastisch gesunken. Bis 2020 wird nun erst einmal die 500.000er Marke angepeilt und die Million auf „mittelfristig“ verschoben. („Mittelfristig“ wird auch der BER eröffnet.) Der Startpunkt ist mit unter 50.000 Fahrzeugen, auch sehr positiv formuliert. Tatsächlich ist man bisher etwa bei der Hälfte. Die Zulassungszahlen deuten zwar mehr an, aber E-Fahrzeuge verfügen offenbar über klingonische Tarnvorrichtungen. Sie verschwinden oft nach kurzer Zeit spurlos. Kommt jetzt also der große Run?

Warum zögern wir eigentlich noch?

Generell sind E-Mobilisten mit ihrer Entscheidung so glücklich, dass sie nichts anderes mehr wollen. Das Produkt überzeugt also bereits. Und auf die aktuelle Diskussion um den Schadstoffausstoß von Verbrennern geben E-Autos die perfekte Antwort. Dennoch bin ich noch nicht so richtig kaufgeregt und wollte wissen, wie es bei anderen aussieht. Daher habe ich eine (sehr kleine) Umfrage unter Bekannten gemacht. Sie sind überwiegend technikbegeistert, mit E-Mobilität vertraut und fahren Autos, die preislich an E-Fahrzeuge rankommen – die ideale Zielgruppe also. Als wichtigste Hinderungsgründe kamen die Folgenden drei heraus.

  1. Akkuverschleiß = Wertverlust: Der elektrische Antrieb ist einfacher und billiger. Getriebe und Abgasanlage fallen weg. Der Motor ist weder hohem Druck oder Temperatur noch Verbrennungsprodukten ausgesetzt. Er hält also länger und braucht weniger Wartung. Das teuerste Bauteil und damit den größten Wert des Autos stellt der Akku dar. Die Angst: Akkuverschleiß bedeutet gleichzeitig einen massiven Wertverlust.
  2. Angegebene vs. reale Reichweite: Schon bei Verbrennern sind geschönte Angaben ärgerlich, aber die findet man auch bei E-Autos. Die Reichweite eines BMW i3 bspw. beträgt in realen Tests ca. 130 (statt bis zu 190) Kilometer mit einem voll geladenen Akku. Bei einer Schnellladung sind nur ca. 70 % möglich und bei heißem oder kaltem Wetter ziehen Klimaanlage und Heizung zusätzlich Strom. Ist der Akku unterwegs am Ende, hat man entweder ein extrem langes Kabel, eine nahe Steckdose oder ein echtes Problem.
  3. Laden pardon Smart Tanken: Einen Ladeplatz hat nicht jeder und man kann ihn auch nicht mitnehmen. Und öffentliches Laden steckt immer noch voller Tücken. So sind Ladesäulen heutzutage häufig gar nicht belegt, sondern zugeparkt. Sie liegen nämlich oft in der Parkplatzwüste Innenstadt. Selbst davor stehende E-Fahrzeuge laden oft nicht mehr – sie stehen noch da. Da hilft weder Reservierung noch Verbot. Wer fährt nach dem Laden weg, wenn er danach ewig nach einem normalen Parkplatz suchen muss.

Zu den ersten beiden Punkten müssten die Hersteller aktiv werden. Transparenz, Ehrlichkeit und Offenheit gegenüber den Konsumenten könnte helfen. Und in Sachen Lebensdauer der Akkus haben sie sogar gute Erfahrungen gemacht. Mehr Ladestationen sind Teil des Regierungspakets. Sie entstehen dann auch an geeigneteren Orten: Autohöfen, Einkaufs- und Sportzentren, Bahnhöfen, Flughäfen und Messezentren. Das ist sinnvoll, denn reine Fahrten zur Ladesäule nerven nicht nur – sie schaden der Ökobilanz des Fahrzeugs. Die neuen Ladestationen findet ihr dann auch bei SmartTanken oder per App übers Handy.

Wichtig wären allerdings Lösungen für blockierte Ladestationen. Ich könnte mir bspw. vorstellen, dass entlang einer Parkzeile bewegliche Ladeeinrichtungen technisch durchaus machbar sind. Auch das Teilen von privaten und gewerblichen Ladeplätzen wäre durchaus denkbar, solange niemand eine elektrische Störerhaftung erfindet.

Meine Bewertung

Insgesamt ist das Paket ein Schritt in die richtige Richtung, wenn auch nicht sonderlich fantasievoll. Die Reihenfolge erinnert mich ein wenig an das verwandte Thema Energiewende. Auch da wurden private Anlagen gefördert, bevor mit dem Netzausbau begonnen wurde. Das beschäftigt uns bis heute. Hätte die Politik früher den Aufbau von Ladestationen vorangetrieben, wäre der Effekt der Kaufprämie sicher größer. Als Forscher würde ich mir vom Staat auch wünschen, dass er sich mehr mit Foren, Privatinitiativen und vielleicht sogar ausgemachten Spinnern zusammen setzt. Das wäre Customer Centricity und ein Weg zu Ideen, die einfacher und effektiver sind, als „Kaufprämie 2.0 – diesmal wird’s elektrisch“.

Richard Wacker

Richard Wacker

Die männliche Quasselstrippe unter den YellowMaplern: Egal ob es um schwarze Löcher oder Patentsrechtproblematik geht, Richard kann zu jedem Thema etwas sagen. Ein breitgefächertes Themenfeld gehört auch zu seinem Berufsalltag als Forschungsleiter: Von Festivals über Notfallszenarien bis hin zu Management von sozialen Netzwerken ist alles dabei. Mit seiner Redegewandtheit kann er andere schnell für seine Themen und kreativen Ideen begeistern. In seiner Freizeit heißt das Motto „Augen zu und durch“, wenn er die Straßen mit seinem Motorrad unsicher macht.
Richard Wacker

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