Smart Data Konferenz in Berlin

Freitag, 29. Mai 2015 at 16:02

Smart Data Konferenz 2015

Hallo liebe Leser,

es gibt wiedermal Neuigkeiten aus unserem Projekt SmartRegio und zum Smart Data-Programm: Innovationen aus Daten des BMWi. In diesem Zusammenhang waren wir als Projektteam zur Smart Data Konferenz nach Berlin eingeladen und durften lauschen, wie sich Regierung und Europäische Union die Datenökonomie der Zukunft vorstellen. Auch durften wir selbst ein wenig mitreden. Hinter Smart Data steckt unter anderem das Stichwort Big Data, also die Verarbeitung von großen, sehr heterogenen Datenmengen in Echtzeit. Man kann sagen, dass Smart Data genau die wertvollen Aussagen sind, die sich aus der Verarbeitung von Big Data gewinnen lassen. Unternehmen und Regierungen erhoffen sich davon eine neue Datenökonomie, oder wie es Herr Oettinger, EU-Kommissar für Digitales, formulierte, die neue Währung des digitalen Binnenmarktes.

Smart Data Konferenz 2015

Podiumsdiskussion Mittelstandspanel auf der Smart Data Konferenz

 

Warum ist das Thema so ein Hype?

Stellt Euch vor, jede Maschine, jedes Werkzeug, jede Produktionshalle und jede Werkstatt mit denen Produkte oder Bauteile von der Erzeugung bis zur Verschrottung in Berührung kommen, speichert jede Information, die anfällt. Treten bei einigen Produkten später Fehler auf, kann der Hersteller wie ein Datendetektiv nach Gemeinsamsamkeiten der betroffenen Teile suchen. Techniker können alle anderen betroffenen Bauteile im Einsatz überprüfen, zu denen ähnliche Daten vorliegen – sogenannte Predictive Maintenance. Außerdem können die Qualitätskontrolle und die Fertigungstechnik gezielt optimiert werden, um eine Fehlerquelle zu vermeiden.

Das allein ist schon beeindruckend, aber erst der Anfang. Daten werden hier nur von demjenigen benutzt, bei dem sie anfallen. Viel spannender wird es, wenn jemand Daten speichert, von denen viele einen Nutzen haben. Das Projekt SmartRegio fußt beispielsweise darauf, dass YellowMap und die Stadtwerke Zugriff auf Daten haben, die nicht nur für sie selbst, sondern auch für viele andere Akteure nützliche Informationen liefern. Ein ähnliches Beispiel kennt ihr sicher bereits: Navigationsanbieter nutzen inzwischen Daten über die Auslastung von Funkzellen und Position von Smartphones, um Verkehrsstaus zu ermitteln. Für den Datenlieferanten bedeutet das nicht weniger als:

  1. Ein „Neben-„ oder gar „Abfallprodukt“ seiner normalen Geschäftstätigkeit wird zum Verkaufsschlager.
  2. Er kann dieses „Nebenprodukt“ sogar beliebig vielen verkaufen, denn Daten werden durch das Kopieren nicht schlechter.

Das Ergebnis stellt genau die erhoffte Datenökonomie dar. Daten werden gehandelt und gehen frei an denjenigen, der damit etwas anfangen kann, damit eigene Produkte verbessert oder ganz neue erfindet.

Was sind die Herausforderungen und Hürden?

Grundsätzlich ist die Verarbeitung großer Datenmengen (wir sprechen mindestens über Terrabytes) ein Problem – vor allem in Echtzeit, oder, wie es Audi formuliert, in „Rechtzeit“ (von rechtzeitig); aber auch wenn man gar nicht weiß, wonach man sucht, wie bei den fehlerhaften Bauteilen. Festplatten und einzelne Prozessoren sind zu langsam. Man braucht viele verbundene Rechner, sogenannte Cluster, Algorithmen teilen die Aufgabe geschickt auf und sorgen dafür, dass die Daten möglichst vollständig im Arbeitsspeicher liegen. Soll jedoch eine richtige Datenökonomie entstehen, kommen weitere Fragen hinzu. So enthalten die Daten eines Unternehmens oft auch vertrauliches Wissen. Außerdem will der Datenlieferant natürlich sicherstellen, dass er an den Gewinnen beteiligt wird. Es ist gar nicht so leicht, Unternehmen dazu zu bringen, dass sie ihre Daten weitergeben. Zu guter Letzt sind viele Daten rechtlich geschützt – vor allem wenn es um personenbezogene Daten geht – Stichwort Datenschutz. Der Konflikt mit dem Datenschutz ist dabei mit am schwersten aufzulösen, denn es geht um Grundsätze:

  1. Big Data erfordert, dass alle erfassbaren Daten gespeichert werden. Der Datenschutz fordert hingegen Datensparsamkeit!
  2. Big Data erfordert, dass Daten zu beliebigen Zwecken verwendet werden. Der Datenschutz fordert hingegen eine Zweckbindung!
  3. Big Data würde von einer generellen Erlaubnis zum Umgang mit Daten profitieren. Das Datenschutzrecht ist ein grundsätzliches Verbot mit Ausnahmen!

Über all diese Themen wurde auf der Konferenz kontrovers diskutiert. Einen kurzen Bericht von der Smart Data Konferenz findet ihr hier. Weitere Informationen und Bilder gibt es hier. Ich wünsche Euch viel Spaß beim Schmökern.

Euer Richard

Richard Wacker

Richard Wacker

Die männliche Quasselstrippe unter den YellowMaplern: Egal ob es um schwarze Löcher oder Patentsrechtproblematik geht, Richard kann zu jedem Thema etwas sagen. Ein breitgefächertes Themenfeld gehört auch zu seinem Berufsalltag als Forschungsleiter: Von Festivals über Notfallszenarien bis hin zu Management von sozialen Netzwerken ist alles dabei. Mit seiner Redegewandtheit kann er andere schnell für seine Themen und kreativen Ideen begeistern. In seiner Freizeit heißt das Motto „Augen zu und durch“, wenn er die Straßen mit seinem Motorrad unsicher macht.
Richard Wacker

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