KA300 – eine Stadt feiert Geburtstag

Donnerstag, 20. August 2015 at 10:47

Schloss KA 2

Hallo liebe Leser,

in diesem Jahr feiert Karlsruhe unter dem Stichwort KA300 seinen 300sten Geburtstag. YellowMap hat dazu nicht nur die passende App entwickelt, sondern wir wollen Euch auch ein wenig einstimmen. Dass gerade ein „Eugeschmeckter“ (badisch für Zugezogener) hessischer Bildungsflüchtling darüber referieren darf, ehrt mich natürlich, stellt mich aber auch vor eine Herausforderung. Also bitte, liebe Einheimische, geht nicht zu hart mit mir ins Gericht, wenn ich Euch ein wenig über die Stadt erzähle, in der innovative Gesetze ihre letzte Ruhe finden.

Karlsruhe – Eine Fächerstadt der Rechte

Vor 300 Jahren war seine Majestät Herzog Karl-Wilhelm von Baden-Durlach der engen Gassen im alten Durlach überdrüssig. Das niedere Volk sollte seiner Bedeutung auch im Materiellen gewahr werden – in Form eines Schlosses von welchem sein göttlicher Ratschluss über strahlengleiche Straßen ins Land hinaus geht. Vor seiner Pforte sollte sich der Blick auf eine moderne Stadt eröffnen. Gleichzeitig wollte Karl auf gepflegte Natur schauen und in ihr Ruhe und Entspannung genießen – ein Fächer. Angesichts des Schlossbaues traten dem Kämmerer Schweißperlen auf die Stirn. Beim Thema Stadt stürzte er in eine tiefe Ohnmacht. Wer würde Karl wohl kostenlos eine Stadt bauen? Die Bürger! Aber dazu brauchte es ein Angebot, das selbst im ungewaschensten Ohr noch hell erklingt. Es lautete Privilegienbrief für Karlsruhe und enthielt 20 Jahre Steuerfreiheit, neutrale Gerichtsbarkeit Zoll- und sogar Religionsfreiheit. Und Karl ließ verkünden, dass er diese Freiheiten sogar noch zu erweitern gedenke. Karlsruhe wurde ein voller Erfolg und wuchs prächtig.

Karlsruhe – Ehrgeiz und die Technik

Die Rechte, das geplante Stadtmuster und der steile Aufstieg haben die Karlsruher nachhaltig geprägt. Heute wacht das Bundesverfassungsgericht über die Freiheitsrechte aller Deutschen. Die Geometrie, Planung und Exaktheit haben sich in Technikbegeisterung umgesetzt. Große Maschinenteile stehen auf Grünflächen und das ZKM (ein Highlight – besonders für verregnete Tage) lässt Kunst und Technik zu beeindruckenden Installationen verschmelzen. Auf große Erfinder wie Benz und Drais – beide tragen sogar den Vornamen (Carl respektive Karl) ist man besonders stolz – auch wenn ersterer gleichzeitig mit einem Trauma verbunden ist. Benz‘ Ideen machten ausgerechnet ein schwäbisches Unternehmen groß. Aber dem Erfindergeist hat selbst das nicht geschadet. Überall trifft man auf innovative Unternehmen und die Uni gehört zu den besten technischen Hochschulen Deutschlands und Europas. Seit 2007 trägt sie den Namen Karlsruher Institut für Technologie (kurz KIT). Top in Europa ist eben nicht gut genug. Auch bei KA300 wird Technologie wieder eine wichtige Rolle spielen und nicht nur in Form der App.

Freizeit in Karlsruhe

Auch Karls Vision von Natur und Entspannung hat sich bewahrt. Der Schlosspark und die Günter-Klotz-Anlage bieten den Städtern viel Grünfläche für sämtliche Freizeitaktivitäten. Für Sportler gibt es neben den üblichen Verdächtigen wie Fußball, Laufen, Radfahren und und und sogar noch eine Skatenight – auch wenn sie hier SkateNite heißt. Moutainbiker, Wanderer und im Winter Skifahrer zieht es in den nahen Schwarzwald. Sport ist auch zu empfehlen, denn badische Küche ist ebenso gehalt- wie geschmackvoll. Vom Sternelokal bis zur Studentenkneipe findet man in Karlsruhe nahezu alles. Das Nachtleben richtet sich vor allem an die Studenten. Viele Kneipen, Restaurants, Clubs und Diskotheken besonders in der Ost- und der Südstadt bieten günstige Preise und studentisches Flair. In den Sommermonaten bietet das Open Air Kino im Schloss Gottesaue ein ganz besonderes Filmvergnügen. KA300 bietet Euch die Gelegenheit, das Ergebnis von 300 Jahren Freizeit- und Kulturentwicklung im Zeitraffer zu erleben.

Karlsruhe und das Badisch

Die Sprache der Karlsruher steht im Kontrast zur technischen Exaktheit – getreu dem Motto: „Wir können alles – nur kein Hochdeutsch“. Die erste Einheimische, die ich traf, setze bereits mehrere „sch“s an abenteuerliche Stellen, eingebettet in einen freundlichen Singsang und sagte zum Abschied „Schöner Tag!“ Reflexartig antwortete ich mit „Ja“, aber das war keine Feststellung. Heute noch wundere mich ab und zu, was alles „hebt“ oder „hing’schtellt“ werden kann. „Spinn’sch“ (Spinnst Du!) muss übrigens keine Beleidigung sein, wie ich zuerst dachte. Es ist mehr ein Ausdruck der Überraschung. Dass ich als Mittelhesse allerdings gelegentlich „Fischkopp“ genannt wurde, ist mir immernoch ein Rätsel. Vielleicht hat irgend jemand in Frankfurt ein Hawai-Poster fotografiert und da sich die Badener zuhause so wohl fühlen, ist keiner hingefahren, der den Betrug hätte aufdecken können. Ich hatte kurz überlegt, im Rahmen von KA300 eine hessisch-badische Aufklärungsveranstaltung vorzuschlagen, aber die hier lebenden Hessen haben sich daran gewöhnt und nehmen es mit Humor.

Karlsruhe hat natürlich viel mehr zu bieten. Ein Artikel reicht dafür nicht und selbst ein ganzer Blog wäre lange beschäftigt. Daher empfehle ich Euch, einfach mal herzukommen und Euch selbst ein Bild zu machen. Für weitere Informationen vorab gibt es neben dem KA300-Programm noch einen Insidertipp: Die Karlsruher Stadtwiki ist dazu bestens geeignet. Und weil sie keine Redaktion hat kann sogar jeder eigene Mülltermine und Sammelstellen eintragen, wenn er möchte… 😉

Euer Richard

Richard Wacker

Richard Wacker

Die männliche Quasselstrippe unter den YellowMaplern: Egal ob es um schwarze Löcher oder Patentsrechtproblematik geht, Richard kann zu jedem Thema etwas sagen. Ein breitgefächertes Themenfeld gehört auch zu seinem Berufsalltag als Forschungsleiter: Von Festivals über Notfallszenarien bis hin zu Management von sozialen Netzwerken ist alles dabei. Mit seiner Redegewandtheit kann er andere schnell für seine Themen und kreativen Ideen begeistern. In seiner Freizeit heißt das Motto „Augen zu und durch“, wenn er die Straßen mit seinem Motorrad unsicher macht.
Richard Wacker

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