Golf – ein Plädoyer für einen missverstandenen Sport

Mittwoch, 12. August 2015 at 13:32

Golf - kein Sport für arrogante Spießer!

Hallo liebe Leser,

Bewegung ist gesund und macht Laune – selbst bei über 30°C. Deswegen stand im Juli eine Woche lang Sport Sport auf dem CAS– und YellowMap-Programm. Unsere Aktivität wird von Unwissenden unerhörterweise oft als Unsport verunglimpft, aber das ist unwahr, wie unsere Untersuchung unmittelbar zeigt. Wir haben gestern unseren Stableford aus 9er-Eisen bestiegen und sind mit Sandwedge und Tee bewaffnet ins Grün gefahren, um ein Par Birdies im Flight zu beobachten, die in weiten Bogeys um einen Bunker kreisten. Ok es geht um Golf. Die Idee hatte Michael, unser Head of Development, der auch einen Torso und mehrere Gliedmaßen besitzt. Michael kann heißen Tee bestellen und nach einer Berührung als Eistee trinken. Golfer sind also eben nicht nur uncoole Spießer. Im Gegenteil: Hätten wir mit „Golf spielt man nicht!“ oder „Das Golf spielen (unter 60) ist spießig!“ geantwortet, hätten wir uns damit viel eher disqualifiziert. Nur der Spießer folgt Prinzipien aus Prinzip. Das haben wir erlebt:

Koordination beim Golf

Vorm Schlag gibt es nur Dich, das weit entfernte Fähnchen und den winzigen Ball, der mit einem langen Eisen so getroffen werden will, dass er (1) in die richtige Richtung fliegt, (2) die richtige Strecke zurücklegt und (3) möglichst eine steile Parabel beschreibt. Es gibt nur eine Chance und das Gelände wartet nur darauf, Deinen Plan in Frust zu verwandeln. Das forderte uns einiges ab. Bäume(!), Büsche, Wasser, hohes Gras und die berüchtigten Bunker trieben uns den Schweiß auf die Stirn. Chris hatte einen besonders schlechten Tag. Das normale Ping wurde viel zu oft zu einem Ping – Pack. Wieder ein Eichhörnchen mit Kopfweh. Ristian, die Kombination aus Christian und Richard, wäre ein guter Golfer. Mit dem Putter trifft Christian aus 10 Metern nachts, einäugig ein Mauseloch – Richard trifft nicht mal einen Fuchsbau auf 3 Meter. Er ist mehr für die Weite zu gebrauchen. Gelang etwas wandelte sich die Anspannung in pure Freude und zwar jedes Mal, denn die Aufgabe ist immer anders. Das Drumherum ist völlig nebensächlich. Das Loch interessiert es nicht, ob man mit dem R8 vorgefahren ist oder der Schläger 500 € gekostet hat.

Golf erfordert eine gute Koordination und viel Konzentration

Golf bedeutet auch Anstrengung

Besonders wegen der Hitze liefen wir oft schweißgebadet herum oder standen in der prallen Sonne. Durch die vielen verunglückten Bälle irrten wir mehrfach durch Unterholz und brauchten fast 3 Stunden für die 9 Löcher. Weder Christian noch ich besitzen die Platzreife. Deshalb müssen wir mit Kurzplätzen Vorlieb nehmen. Für einen 18-Loch-Platz auf Normaldistanz hätten wir sicher den ganzen Tag gebraucht. Besonders das abwechselnde Laufen, Suchen und dann wieder hochkonzentriert Schlagen qualifiziert Golf aus unserer Sicht eindeutig als Sport. Jedenfalls fühlten wir uns hinterher wie nach 10 km Joggen und das Ziehen in der Schulter zeigt, dass auch einige Muskeln beteiligt waren. Wer laufen kann und sich dennoch übern Platz kutschieren lässt, bringt sich um das halbe Erlebnis.

Beim Golf läuft man viel in der Sonne, das kann durchaus anstrengen

Die Naturerfahrung beim Golf

Natürlich ist ein Golfplatz nicht allein der Natur belassen, sondern bewusst so angelegt, dass man spielen kann. Allein das Rasenmähen dauert sicher Tage. Es ist eher, wie sich Karl-Wilhelm von Baden-Durlach und andere Fürsten vor 300 Jahren einen idealen Garten vorstellten – weitläufige, gezähmte Natur eben. Dennoch ist ein Golfplatz weit weniger künstlich als eine Aschenbahn oder ein Fußballplatz. Das erfuhren wir spätestens dann, wenn ein Schlag völlig daneben ging. Wir waren lange draußen, und es war sehr ruhig. Vogelgezwitscher und später das entfernte Grollen eines vorbeiziehenden Gewitters waren zu hören. Golfen ist wirklich ideal, um aus dem Alltag auszusteigen und zu entspannen. Niemals hätten wir klischeehaft das Handy gezückt, um mit Frankfurt, London, NewYork oder Tokio zu telefonieren. Am Ende hätte noch jemand abgenommen.

Neben dem sportlichen Aspekt bietet Golf auch ein Naturerlebnis

Golf bedeutet einen fairen Wettkampf

Es heißt oft, der Golfer spiele eigentlich gegen sich selbst und nicht gegen den Gegner. Ganz so ist es nicht, denn natürlich will man sich messen. Aber es gibt einen wahren Kern. Beim Fußball F. C. Sportfreunde Ostheim 1924 gegen Borussia Dortmund hätten beide keinen Spaß. Die Ostheimer liefen vergeblich, während die Borussen nach 10 Minuten in Ruhe auswürfelten, wer aufstehen und schießen soll. Beim Golf können wir mit Tiger Woods spielen, denn der Schwächere darf mehr Schläge brauchen als der Stärkere. Tiger hatte schon als Kind ein Handicap von 0. Unser Handicap ist uns peinlich, aber jedenfalls könnten wir durchaus gewinnen. Durch Zählweisen wie Stableford spielen alle Spieler auch gegen sich selbst, denn der schlechtere Spieler darf mehr Schläge brauchen, als der bessere.

Das Loch interessiert nicht, wer den Ball geschlagen hat - Golf ist eben ein fairer Sport

Unser Fazit zum Golf

Wir haben jedenfalls einen richtig schönen Tag gehabt. Christian war schon auf dem Heimweg und Michael, Chris und ich ließen den Tag der auf der Terrasse des Clubrestaurants bei einem kühlen Weizenbier ausklingen. Da erlebte ich dann noch etwas, das ich sonst vor allem vom Motorradfahren kenne. Ein Golfer am Nachbartisch sprach uns ganz spontan an. Die Worte Yacht, Villa, Rennpferd oder Auto fielen im Gespräch kein einziges Mal. Es ging nur um noch andere schöne Orte, an denen man seinem Golfhobby nachgehen kann. Die urban myth, alle Golfer seien abgehobene Selbstdarsteller, habe ich abends noch verbuddelt und bin dann müde aber zufrieden ins Bett gefallen.

Richard und Christian

 

Richard Wacker

Richard Wacker

Die männliche Quasselstrippe unter den YellowMaplern: Egal ob es um schwarze Löcher oder Patentsrechtproblematik geht, Richard kann zu jedem Thema etwas sagen. Ein breitgefächertes Themenfeld gehört auch zu seinem Berufsalltag als Forschungsleiter: Von Festivals über Notfallszenarien bis hin zu Management von sozialen Netzwerken ist alles dabei. Mit seiner Redegewandtheit kann er andere schnell für seine Themen und kreativen Ideen begeistern. In seiner Freizeit heißt das Motto „Augen zu und durch“, wenn er die Straßen mit seinem Motorrad unsicher macht.
Richard Wacker

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