Der Europäische Datenschutztag

Mittwoch, 28. Januar 2015 at 8:00

Hallo liebe Leser,

sicher habt ihr schon gehört, was heute für ein Tag ist – der europäische Datenschutztag. Dann wisst ihr auch, warum ich mir ein Thema vorgenommen habe, das für einen einzelnen Artikel eigentlich viel zu breit ist. Trotzdem will ich es mal versuchen.

Was ist Datenschutz?

In erster Linie ist es wohl ein schlecht gewählter Begriff. Erstens will er keine Daten schützen – das unterscheidet ihn von Datensicherheit. Und zweitens geht es auch gar nicht um Daten, sondern um Informationen. Ich gebe euch mal ein Datum. Es lautet „5“ und ist völlig nutzlos. „5“ könnte schließlich vieles meinen. Würde ich Euch sagen, was „5“ bedeutet, wäre es eine Information. Beträfe die „5“ einen Menschen, wären wir im Datenschutzrecht. Information ist das Material, aus dem Wissen besteht und Wissen ist Macht. Wer viel über Menschen weiß, kann ihnen schaden und sie kontrollieren. Deswegen haben wir ein Grundrecht mit dem sperrigen Namen „informationelle Selbstbestimmung„. Es ist das Recht zu entscheiden, welche persönlichen Informationen wir wem geben und wozu. Dieses Grundrecht bildet die Basis des Datenschutzes und ist relativ jung, nämlich in Deutschland gerademal 30 Jahre alt.

Woher kam der Datenschutz?

Den Vätern unseres Grundgesetzes war die informationelle Selbstbestimmung noch unbekannt. Deswegen steht sie auch nicht explizit drin, sondern wird aus zwei anderen Grundrechten (Artikel 2 Abs. 1 und Artikel 1 Abs. 1) begründet. Dass es sie geben sollte, erkannte man erst mit der digitalen Revolution. Vorher war der Normalbürger dadurch geschützt, dass sich der Aufwand, seine Information zu speichern, nicht lohnte. Wer mal Ahnenforschung betrieben hat und kein „von“ im Namen trägt, kann das deutlich sehen. Selbst Aktenarchive reichen nicht weit zurück. Und auch eine Akte anzulegen ist so viel Arbeit, dass nur ausgemachte Paranoiker und Despoten wirklich über alle und alles Buch führten. Vor etwa 50 Jahren kamen die ersten Computer auf und seitdem sinkt der Aufwand dramatisch. Anfangs sammelte man zumindest noch manuell, aber heute spielen sich so große Teile unseres Lebens in der digitalen Welt ab, dass man die Information nur noch speichern muss und Speicher kostet wenig. Dank mobilem Internet, elektronischem Handel und Zahlungsverkehr, dem Internet der Dinge und smarten Technologien, laufen wir bildlich gesprochen auf frisch gefallenem Schnee. Wir hinterlassen ständig Spuren, die andere auswerten können. Wir profitieren davon, können digital einkaufen, die Bestellung verfolgen, Behördengänge am Computer erledigen, finden interessante Dinge in unserer Umgebung und vieles mehr. Aber natürlich ist es naiv  zu glauben, dass diese Daten von allen, die sie haben, nur in guter Absicht verwendet werden.

Was will der Datenschutz?

Datenschutzgesetze sollen den Umgang mit persönlichen Informationen einschränken. Ganz verbieten kann man ihn nicht, weil das unsere Handlungsfreiheit (Artikel 2 Abs. 1) einschränken würde und es allgemeine Interessen gibt, die wichtiger sind. Dieses wichtiger ist aber höchst individuell. Zu vielen auch sehr persönlichen Informationen gibt es Einzelfälle, in denen sie sehr wichtig werden. Aber darf man sie deshalb für alle speichern? Dieses Einzelfalldenken löst besonders bei Informatikern Kopfschmerzen aus. Computer sind nämlich nur so effizient, weil sie viele Probleme durch wenige Regeln lösen. Bräuchte man für jedes Problem eine eigene Regel, wäre der Vorteil dahin. Der Datenschutz gilt allerdings nicht überall. Viele Länder haben ihn nicht oder kontrollieren ihn kaum. In Europa gibt es Mindestanforderungen, aber Unterschiede gibt es dennoch. Nicht umsonst sitzt bspw. Facebook in Irland. Durch diese Unterschiede besteht immer die Gefahr, dass Informationen aus dem Zugriff des Rechts heraus wandern und weil Information inzwischen trägerlos ist, fällt die Kontrolle schwer. Jemand mit einer Tonne Akten im Kofferraum wäre an der Grenze sicher ebenso aufgefallen wie jemand, der 100.000 Briefe an dieselbe Adresse verschickt. Im Zeitalter elektronischer Kommunikation lasse ich das notfalls wie einen Videostream aussehen und keiner stellt Fragen. Wer das verhindern will, muss alles überwachen und würde damit selbst zum allgegenwärtigen Big Brother. Für Diktaturen und Despotien ist das sicher kein Problem, aber Demokratien funktionieren nicht, wenn der Bürger Angst vor Bespitzelung hat.

Datenschutz bei YellowMap und CAS

Bei YellowMap und CAS versuchen wir Systeme ohne unerwünschte Eingriffe in die Privatsphäre zu bauen. Das tun wir nicht nur, weil wir uns an Gesetze halten. Uns ist wichtig, dass man unsere Produkte mag und sich nicht überwacht fühlt. Auch betreiben wir unsere Lösungen bewusst in Deutschland und nicht im datenschutzrechtlichen Nirwana. In der Forschung gehen wir oft sogar noch ein Stück weiter, wie beispielsweise im Projekt Di.me. Dabei ging es um Fälle, in denen Nutzer digitaler Dienste versehentlich mehr Information von sich preisgeben, als sie wirklich wollen. Viele dieser Dienste nutzen wir in mehreren Kontexten – Familie, Beruf, Hobby und dergleichen. Viele legen dafür auch verschiedene Profile an. Der Geschäftspartner muss schließlich nicht unbedingt die Familie oder den Freundeskreis sehen. Wenn ihr aber Dateien auf unterschiedlichen Plattformen oder Profilen teilt – egal ob Foto, Video oder Textdokumente, ist der Link klar. Die Datei ist so eindeutig, dass die Profile fast mit Sicherheit zu einer Person gehören. Generell bekommen wir  heute entweder komfortable Software, die uns nebenbei gläsern macht oder unkomfortable, die das nicht tut. Das fängt bei sozialen Netzwerken an, geht über eMails bis hin zu Mobilkommunikation. Wisst ihr noch, warum das Kanzlerhandy abgehört werden konnte? Wisst ihr, warum die NSA mit Leichtigkeit Millionen Menschen ausspähen kann? Richtig! Weil abhörsichere Telefone wie auch die eMail-Verschlüsselung umständlich zu bedienen sind. Di.me sollte das ändern und wir arbeiten daran, dass diese Änderung in unseren Diensten und Angeboten weiter geht.

Richard Wacker

Richard Wacker

Die männliche Quasselstrippe unter den YellowMaplern: Egal ob es um schwarze Löcher oder Patentsrechtproblematik geht, Richard kann zu jedem Thema etwas sagen. Ein breitgefächertes Themenfeld gehört auch zu seinem Berufsalltag als Forschungsleiter: Von Festivals über Notfallszenarien bis hin zu Management von sozialen Netzwerken ist alles dabei. Mit seiner Redegewandtheit kann er andere schnell für seine Themen und kreativen Ideen begeistern. In seiner Freizeit heißt das Motto „Augen zu und durch“, wenn er die Straßen mit seinem Motorrad unsicher macht.
Richard Wacker

Letzte Artikel von Richard Wacker (Alle anzeigen)