State of the Map Europe 2014

Mittwoch, 25. Juni 2014 at 16:29

Dieses Jahr fand die größte europäische OpenStreetMap-Konferenz – die State of the Map Europe 2014 – in Karlsruhe statt. Als Sponsor dieser Veranstaltung und auf Grund der vielen interessanten Themen rund um das OpenStreetMap-Projekt, war die YellowMap AG mit mir und meinem Kollegen Markus natürlich auch vertreten.

Die Konferenz, die von Freitag bis Sonntag stattfand, setzte sich aus einer Reihe interessanter Vorträge am Freitag und Samstag zusammen, in denen neueste Entwicklungen, Projekte und Erfahrungen rund um das Thema OpenStreetMap vorgestellt wurden. Auch eigene, zum Teil kleinere Projekte konnten in so genannten Lighning Talks vorgestellt werden. Sonntags wurde dann ein Hackday veranstaltet an dem Workshops zu neuen Tools durchgeführt wurden, die das Arbeiten mit den OpenStreetMap-Daten vereinfach sollen. Darunter etwa ein Workshop zu CartoCSS, einer Designsprache für Karten im Web.

Die breite Auswahl an Vorträgen erstreckte sich über eine Vielzahl an Themen. Darunter fanden sich Vorträge zu Rendering-Tools, wie z.B. das altbewährte Mapnik, das auch heute noch für das Zeichnen der offiziellen OpenStreetMap-Karte zuständig ist. Aber auch neue Rendering-Möglichkeiten wurden vorgestellt. Konstantin Käfer zeigte Möglichkeiten auf, wie beeindruckende 3D-Karten mit Hilfe von OpenGL gezeichnet werden können. Selbst das Live-Rendering verlief dabei absolut reibungslos.

Der für mich interessanteste Vortrag bezog sich auf ein weiteres wichtiges Thema, das über die Grenzen von OpenStreetMap hinausgeht – das Berechnen von Routen in komplexen Straßennetzen. Dennis Luxen, der Hauptentwickler der freien Routing-Maschine OSRM (Open Source Routing Machine), gab Einblicke in aktuelle Entwicklungen. Neben dem klassischen Routing von A nach B, stellte er eine Vielzahl neuer Anwendungsfälle vor, die mit Hilfe der zugrundeliegenden Algorithmen effizient gelöst werden können. Dazu gehört zum Beispiel das in der Logistik benötigte many-to-many-Routing, also die effiziente Berechnung aller Routen von einer Menge von Punkten zu allen Punkten einer anderen Menge.

Nach wie vor ist die Qualitätsfrage und insbesondere die Verbesserung der Qualität ein großes Anliegen der Community. Frédéric Rodrigo stellte mit Osmose ein nicht ganz neues Tool zur Qualitätsanalyse der OpenStreetMap-Daten vor. Mit diesem Programm können Fehler erkannt, behoben und in die Datenbank zurückgespielt werden. Ein zweiter Ansatz zur Verbesserung der Daten wurde von Serge Wroclawski vorgestellt. Mit MapRoulette 2 steht ein Tool zur Verfügung, dass sich Mechaniken des Gamification zunutze macht, um auf einfache Art und Weise leicht zu lösende Probleme einzelnen Mitgliedern der Community präsentieren.

Ein weiterer Pfeiler des OpenStreetMap-Projektes befasst sich mit der Ermittlung einer geografischen Koordinate aus einer eingegebenen Adresse. Diese Abbildung von eingegebener Adresse auf eine Koordinate, die anschließend auf einer Karte angezeigt werden kann, nennt sich Geokodierung. Das Programm, das für die Geokodierung innerhalb des OpenStreetMap-Projektes verantwortlich ist nennt sich Nominatim. Leider ist eine weltweite Geokodierung kein einfaches Unterfangen. Abhängig von den zu Grunde liegenden Daten und den Verfahren, die für die Bestimmung der Koordinate verwendet werden, bekommt man gute oder schlechte Ergebnisse zurückgeliefert. Es ließ sich gut erkennen, dass neue bessere Geocoder ein großes Anliegen verschiedener Unternehmen sind. Es wurden verschiedene Ansätze vorgestellt, wie die Geokodierung von OpenStreetMap-Daten verbessert werden könnte. In Zukunft kann man hier sicherlich einiges erwarten.

Neben den offiziellen Rede-Beiträgen zu unterschiedlichsten Themen, wie z.B. Karten-Rendering, modernes Routing und Geokodierungen, war in den Pausen dazwischen genügend Zeit interessante Diskussionen mit der OpenStreetMap-Community zu führen. Die Abendveranstaltungen lieferten hierfür eine weitere gute Möglichkeit. Zusammengefasst war die SotM-EU 2014 eine riesige Erfahrung für mich persönlich. Es war überwältigend, wie viel freiwillige Arbeit in ein so großartiges Projekt wie OpenStreetMap gesteckt wird und es bleibt abzuwarten, was für tolle Neuerungen auch in Zukunft auf uns warten werden. Ich freue mich auf jeden Fall schon auf die nächste State of the Map.

Thorsten Zylowski

Thorsten Zylowski

Thorsten ist ein Quell von Expertenwissen. Schon das Thema seiner Bachelorarbeit – ein softwarebasierter Qualitätsvergleich zwischen kommerziellem und OSM-Kartenmaterial sowie dessen Umsetzung zeigen deutlich, dass er intellektuell keine kleinen Brötchen backt. Auch alles was er sagt ist zumeist clever und durchdacht, allerdings auch äußerst selten. Anfangs dachte ich, es sei Schüchternheit, aber inzwischen drängt sich mir der Verdacht auf, dass dahinter das simple ökonomische Prinzip "Knappheit bestimmt den Preis" steckt.
Thorsten Zylowski

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