Smart Data-Projekt SmartRegionalStrategy

Mittwoch, 6. August 2014 at 16:23

Hallo liebe Leser! Im nächsten Jahr wird es bei uns wieder ein neues und äußerst spannendes Forschungsprojekt geben, zu dem ich hier schon ein wenig erzählen möchte. Das Projekt bezieht sich auf das Programm Smart Data – Innovationen aus Daten des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. Smart Data meint in diesem Zusammenhang eigentlich Big Data. Dieses Schlagwort fällt in Forscherkreisen momentan so häufig, wie das Amen in der Kirche. Big Data bezeichnet die zielgerichtete und (oftmals) in Echtzeit stattfindende Verarbeitung sehr großer und teils sehr heterogener Datenmengen. Diese Daten entstehen einerseits durch den Preisverfall für Speicher und andererseits durch immer mehr Datenquellen (Internet of Things, Social Media und Smart Devices und vieles mehr). Big Data beschäftigt sich mit Ansätzen, aus dieser Datenflut zu lernen, auf Ereignisse zu reagieren oder Handlungsempfehlungen abzuleiten. Das Lernziel weicht dabei oft vom Ziel der Datengewinnung ab. Man sucht also nach Wissen, das als Nebenprodukt in den Daten verborgen ist. So ist es auch im Fall von Smart Regional Strategy (kurz: SmartRegio).

KMU und strategische Entscheidungen

Unser Thema ist strategische Entscheidungsunterstützung für regional tätige kleine und mittlere Unternehmen (KMU), also bspw. Fragen wie: „Welche Produkte oder Dienstleistungen sollte ich künftig anbieten?“ oder „Wo in meinem Umfeld sollte ich künftig verstärkt dafür werben?“ Die passende Antwort ist überlebenswichtig, aber schwer zu finden. Unternehmen benötigen dafür Kenntnisse über Veränderungen in der unmittelbaren Umgebung. Großflächige Statistiken und Trendanalysen sind dazu nur bedingt geeignet, denn solche Aussagen müssen nicht auf jede Region zutreffen. Auch die Froschperspektive des eigenen Unternehmens ist trügerisch. Ein deutlicher Kundenrückgang lässt sich beobachten, aber er zeigt nur, dass etwas nicht passt und die Warnung kommt auch spät. Der direkte Blick auf die Kunden könnte helfen, aber Menschen nehmen insbesondere langsame Entwicklungen im direkten Umfeld kaum wahr. Ich sehe meinen Sohn nicht wachsen. Nur der Oma fällt auf, dass er wieder 5 cm größer ist und das auch nur, weil sie ihn nicht ständig sieht. Verschlafen viele KMU die Entwicklung, sind die Folgen für die Bewohner doppelt dramatisch. Das lokale Angebot verschwindet und Menschen verlieren ihre Arbeit. Zurück bleibt ein „Problembezirk“. Passen sie sich erfolgreich an, wird das Viertel attraktiver für alle.

Die Idee

Es gibt bereits Unternehmen, die datengetriebene Beratung anbieten. Allerdings stammen ihre Daten aus Befragungen, die aufwändig, teuer und schwierig auszuwerten sind. Ein KMU hat dafür keine Experten und kann sich die Beratung auch nicht leisten. Zudem hat die Befragung einige zusätzliche Nachteile:

  1. Befragungen sind wie die Beobachtung der Oma: Messungen zu Zeitpunkten. Einen Trend erkennt man frühestens nach zwei Messungen.
  2. Fragen ist eine Kunst. Die richtige Frage erfordert bereits die halbe Antwort. Obendrein sind Antworten schwer auf andere Fragen übertragbar.
  3. Die Befragungsdichte muss sehr hoch sein, damit Aussagen auch für kleine Gebiete oder einzelne Stadtviertel aussagekräftig sind.

Deshalb setzen meist nur große Handels- und Gastronomieketten solche Daten ein. Sie haben das nötige Geld, geeignete Experten und haben „ähnliche“ Fragestellungen. Daher verfolgt Smart Regional Strategy einen anderen Ansatz. Menschen hinterlassen Spuren in Daten, die eine Entstehungszeit und einen Entstehungsort haben. Und diese Daten verändern sich mit ihnen. Aussagen über die Bedürfnisse der Menschen sind dabei ein Nebenprodukt. Sie entstehen aus anderen Gründen. Dadurch sind sie günstiger. Außerdem sind es wesentlich mehr Daten, sie sind flexibler auswertbar und fallen ständig an. Fazit: Richtig ausgewertet bilden sie eine ideale Entscheidungsgrundlage zu erschwinglichen Preisen.

SmartRegionalStrategy-Plattform

SmartRegionalStrategy wählt dazu einen dreistufigen Ansatz. Auf der ersten Stufe stehen die Daten aus Datenbanken und Suchanfragen von YellowMap, Ratings und Kommentaren, Daten aus Social Media-Kanälen und nutzergenerierten Inhalten (z.B. auch OpenStreetMap), Open Data, Daten des jeweiligen Anwenders selbst und solche von beliebigen Anbietern, Gruppen und Communities. Diese Informationen werden gesammelt, zentral aggregiert und für unterschiedliche Auswertungen über variable räumliche und zeitliche Bereiche vorbereitet. Auf der mittleren Stufe „Dienste“ werden Auswertungstechniken als Dienste umgesetzt. Auf diese Weise können verschiedene Auswertungen miteinander verschachtelt werden. Außerdem wird hierdurch die nötige Flexibilität möglich, denn verschiedene KMU haben unterschiedliche Fragen. Auf der dritten Stufe werden die Ergebnisse individuell für den Anwender dargestellt. Eine wichtige Rolle spielen karten- und MashUp-basierte Techniken, wie sie die YellowMap bereits in Kundenprojekten entwickelt. Diese müssen allerdings so ausgelegt werden, dass sie für Anwender ohne zu viele Vorkenntnisse leicht zu bedienen sind. Berichtbasierte Auswertungen und der Export von Ergebnissen für andere Anwendungen sind ebenfalls vorgesehen.

Der Anwendungsfall – Verteilnetzbetreiber und lokale Energieversorger

Unser Partner, die Stadtwerke Kaiserslautern, sind als Verteilnetzbetreiber (VNB) für das Energienetz der Stadt Kaiserslautern verantwortlich. Früher war das ein sehr sorgenarmes Geschäft, denn der Stromverbrauch von Haushalten und kleineren Unternehmen war statistisch gut prognostizierbar (Beispiel sogenannter Standardlastprofile). Durch die Energiewende und Elektromobilität (hier ist YellowMap mit dem Portal SmartTanken aktiv) wird das Netz in Zukunft jedoch lokal stärker sowie zeitlich und räumlich ungleichmäßiger belastet. Dieser Effekt ist von Entwicklungen in der lokalen Bevölkerung getrieben. Bleibt der VNB bei seiner alleinigen Fokussierung auf das Netz, muss er es proaktiv so verstärken, dass es alle Lastschwankungen verkraftet. Das wäre unwirtschaftlich und nicht finanzierbar. Nach einer aktuellen Studie von Roland Berger sind etwa 20 % der Stadtwerke in Deuschland von der Isolvenz bedroht. Weiß der VNB hingegen, wo in seinem Netz die Probleme zu erwarten sind, kann er den Ausbau auf diese Bereiche konzentrieren. Darüber hinaus kann er durch spezielle Angebote an die dort ansässigen Kunden wie Smart Home, Energieberatung oder auch Kooperationen mit Firmen über sogenanntes Demand Side Management die (Spitzen-)Last verringern, den Investitionsbedarf weiter reduzieren und sich neue Geschäftsfelder erschließen.

YellowMap freut sich also auf ein neues spannendes Projekt und mich erwartet wiedermal viel spannende Arbeit…

 

 

 

Richard Wacker

Richard Wacker

Die männliche Quasselstrippe unter den YellowMaplern: Egal ob es um schwarze Löcher oder Patentsrechtproblematik geht, Richard kann zu jedem Thema etwas sagen. Ein breitgefächertes Themenfeld gehört auch zu seinem Berufsalltag als Forschungsleiter: Von Festivals über Notfallszenarien bis hin zu Management von sozialen Netzwerken ist alles dabei. Mit seiner Redegewandtheit kann er andere schnell für seine Themen und kreativen Ideen begeistern. In seiner Freizeit heißt das Motto „Augen zu und durch“, wenn er die Straßen mit seinem Motorrad unsicher macht.
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