KMU-Innovativ – Wissenschaft und KMU im Dialog

Freitag, 21. November 2014 at 14:08

Hallo liebe Leser,

ich war wiedermal in Berlin. Diesmal war es eine Fachtagung veranstaltet vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem Projektträger des DLR.  Unter dem Motto „KMU und Forschung: Gemeinsam zu intelligenten Lösungen“ wurden wir als Partner in PQ4Agile eingeladen und bekamen Gelegenheit, unser Projekt vorzustellen. Die Veranstaltung gehört zum Förderprogramm KMU-Innovativ: IKT und findet alle zwei Jahre statt. Offenbar wird dieses Förderprogamm nicht nur von mir sehr geschätzt, denn die Tagung war sehr gut besucht. Bei KMU-Innovativ geht es darum, StartUps und KMU ohne viel Bürokratie Zugang zu Fördergeld zu geben, um vielversprechende Ideen zu verfolgen und auf der Tagung zeigte sich, dass sich das häufig lohnt.

Forschung in der IKT

Den Hintergrund des Programms stellte der parlamentarische Staatssekretär Stefan Müller gleich zu Anfang dar. Die IKT ist wohl die innovativste Branche überhaupt. Betrachtet man beispielsweise das Produkt Auto, so steckt in fast allen Neuerungen inzwischen entweder IKT oder sie hat maßgeblich dazu beigetragen – egal ob es Assistenz- oder Entertainmentsysteme, Motorsteuerung, neue Materialien oder neue Fertigungsmethoden sind. Das gilt für viele Branchen schon seit Jahren. Provokativ könnte man sagen, dass ein Großteil der Wirtschaft die Forschung in die IT ausgelagert hat. Die Wettbewerbsposition eines Landes entscheidet sich damit zunehmend in der Innovationskraft seines IT-Sektors und hier weht ein kalter Wind. Der Wettbewerb um Innovation ist global, denn das Produkt ist immateriell. Es kann überall hergestellt und eingesetzt werden. Im App-Store steht die YellowMap in einer Liste mit anderen Firmen aus aller Welt, die in Deutschland nichtmal einen Briefkasten haben. Bosch kann morgen entscheiden, dass es die Steuersoftware für die Waschmaschinen in Asien zukauft. Innovation ist also extrem wichtig. Laut BITKOM investiert fast ein Drittel der deutschen IKT-Unternehmen mehr als 7 % des Umsatzes in die Forschung und damit mehr als in allen anderen Branchen. Man beachte, dass es um den Umsatz geht. Viele Unternehmen wären in den roten Zahlen, wenn 7 % des Umsatzes in Forschung flössen. So sind es in anderen Bereichen auch deutlich weniger. Im Maschinenbau sind es nur 15 %, in der Medizintechnik gar nur 5 % der Unternehmen. Unter diesen 30 % sind sehr viele kleine und mittlere Unternehmen, so wie die YellowMap AG.

Wozu brauchen KMU Förderung?

Diese Frage war Thema eines Vortrags von Ingo Stürmer. Kleine kreative Unternehmen haben oft tolle Ideen, aber sie gehen in der Entwicklung ein erheblich größeres Wagnis ein als andere. Forschung kostet Zeit und Geld und beides ist bei KMU sehr begrenzt. Wenn ein Mitarbeiter von 20 forscht, müssen ihn die anderen 19 komplett mitfinanzieren. Zu dem Risiko des Scheiterns tritt jenes hinzu, dass dem Unternehmen unterwegs die Luft ausgeht. Forscht man nur nebenbei findet man erstens schwer Partner dafür und zweitens dauert die Entwicklung viel länger. Der Wettbewerb schläft aber selten und eine Silbermedaille für den zweiten gibt es nicht. Die Förderung mindert diese Risiken und ermöglicht es so auch kleinen Unternehmen, gute Ideen aufzugreifen. Das Unternehmen von Herrn Stürmer zeigt diesen Nutzen, denn es konnte sich mit einer Forschungsidee weltweit etablieren, beschäftigt mehr Mitarbeiter und hat seinen Umsatz vervielfacht. Es blieb auch nicht die einzige Erfolgsgeschichte der Tagung.

Das Tagungsprogramm

Das gesamte Tagungsprogramm entpuppte als eine Art sehr reichhaltiges und teilweise exotisches intellektuelles Buffet. Neben Themen, die man auf einer IKT-Veranstaltung erwarten konnte – Sicherheit, verteilte Systeme, Softwaredesign und Entwicklungsmethodik – gab es viele Anwendungen, die tief in andere Fachgebiete und Branchen hinein reichen. Das spiegelte sich auch in den präsentierten Postern wieder, auf denen laufende und vergangene Projekte den Teilnehmern vorgestellt wurden. Anwendungen im Maschinenbau, in der Medizin, der Architektur und sogar zum Lernen von Fremdsprachen zeigten, wie breit IKT heute aufgestellt ist. Zwischen den Vorträgen und Podiumsdiskussionen gab es immer wieder lange Pausen, in denen viel diskutiert wurde und Visitenkarten den Besitzer wechselten. Das Science Dating, eine Art Speed Dating von KMU-Vertretern mit Wissenschaftlern, bei denen Ideen und Zusammenarbeit diskutiert wurden, fand ich besonders gelungen.

Eine unerwartete Auszeichnung

Selbstverständlich gab es auch zu unserem Forschungsprojekt PQ4Agile ein Poster, dass wir als Partner (HK-Business Solutions, Fraunhofer IESE, CAS und YellowMap) präsentiert und allen Vorbeikommenden (offensiv) erklärten. Auch wussten wir natürlich, dass die besten Posterbeiträge am zweiten Tag bewertet würden, aber beim Sichten der vielen spannenden Beiträge hatten wir uns keine allzu großen Chancen ausgerechnet. Schließlich ging es bei uns nicht um die Rettung der Welt oder die Erkennung maroder Brücken durch Schwingungsanalyse. Umso größer war die Freude, als wir auf die Bühne gerufen wurden, denn unser Beitrag ist tatsächlich unter die drei besten Poster gewählt worden. Ganz spezieller Dank geht an dieser Stelle auch an die Kreativabteilung von Fraunhofer, der wir die Gestaltung zu verdanken haben!

Tagungsort

Vom unerwarteten Erfolg beflügelt melde ich mich zurück aus Berlin und kündige an, bald wieder über spannende Projekte und Anträge zu berichten…

Euer Richard

Richard Wacker

Richard Wacker

Die männliche Quasselstrippe unter den YellowMaplern: Egal ob es um schwarze Löcher oder Patentsrechtproblematik geht, Richard kann zu jedem Thema etwas sagen. Ein breitgefächertes Themenfeld gehört auch zu seinem Berufsalltag als Forschungsleiter: Von Festivals über Notfallszenarien bis hin zu Management von sozialen Netzwerken ist alles dabei. Mit seiner Redegewandtheit kann er andere schnell für seine Themen und kreativen Ideen begeistern. In seiner Freizeit heißt das Motto „Augen zu und durch“, wenn er die Straßen mit seinem Motorrad unsicher macht.
Richard Wacker

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