Hinterm Horizont geht’s weiter…

Mittwoch, 16. April 2014 at 16:45

Hallo liebe Leser,

da ich hier ja öfter mal meiner Feder Auslauf gebe, möchte ich heute mal ein paar Takte zur Forschung bei YellowMap schreiben. Viele von Euch werden vermutlich bisher wenig von öffentlich geförderten Forschungsprojekten gehört haben. Das ist eigentlich schade, denn jeder von Euch hat vermutlich hundertfach Werkstoffe, technische Geräte, Software oder Datenformate genutzt, die dadurch entstanden sind. Auch könnte sich daraus für den einen oder anderen von Euch eine berufliche Perspektive entwickeln. Für Wissbegierige und Tüftler aus allen Bereichen warten hier wirklich spannende Aufgaben.

Öffentliche Förderung von Forschungsvorhaben

Zu Anfang möchte ich für unseren Staat und Europa eine Lanze brechen, denn es ist wahrlich ein Wunder, dass eine Region,  die kaum wertvolle Rohstoffe besitzt, ein solches Wohlstandsnivau erreicht. Die Resourcen, denen wir das zu verdanken haben, sind bei guter Pflege obendrein nachwachsende Rohstoffe. Es sind Bildung und Wissen. Aber ihre Pflege ist aufwändig und langfristig. Wie ein Fass eines guten Single Malts braucht dieser Rohstoff Jahre, oft Jahrzehnte um zu reifen. Und wie beim Whisky gibt es den Angels Share. Manches verpufft einfach. Was übrig bleibt ist oft wertvoller als jeder Bodenschatz. Unser Gemeinwesen könnte sagen, dass es mit der Finanzierung freier Bildung und guten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen seine Schuldigkeit getan hat. Dass es alleinige Aufgabe von Unternehmen und Universitäten sei, Forschung zu betreiben. Schließlich werden sie dafür bezahlt bzw. haben ein Eigeninteresse daran. Aber das ist zu kurz gedacht, denn:

  • Universitäten bewerten Forschung nach „wissenschaftlicher Exzellenz“. Eine Idee ist umso interessanter, je abgefahrener und komplexer die Technologie ist und je unmöglicher ihre Umsetzung erscheint. Hätte man Unis damit bauftragt, Autofahrern den Blick nach hinten zu ermöglichen, wäre das Ergebnis sicher 100 kg schwer, würde 5 kW Strom beziehen und hätte irgendwas mit der Super-String-Theorie zu tun. Den Hiwi mit dem Spiegel hätten sie aus dem Labor geworfen.
  • Unternehmen hingegen bewerten Forschungsideen primär nach dem erwarteten (kurz- bis mittelfristigen) eigenen Ertrag. Am besten ist eine Idee dann, wenn sich morgen Millionen damit verdienen lassen, ohne dass es irgendeiner Fähigkeit bedarf, eine Kooperation erfordert, Geld kostet oder mit Risiken verbunden ist. Man sieht das Ergebnis gerade beim Thema E-Mobilität. Erst hat man jahrelang abgewartet, weil niemand ein Scheitern riskieren wollte. Dann hatte jeder Hersteller einen eigenen Ladestecker.

Verloren gehen solche Ideen, die dazwischen liegen. Ideen, die wichtige gesellschaftliche oder ökonomische Themen aufgreifen, deren Ernte aber spät oder möglicherweise gar nicht kommt oder die einen gemeinsamen länder, anbieter-, oder institutionsübergreifenden Standard erfordern. Auch beinhalten sie nicht die Vereinheitlichung von Quantenmechanik und allgemeiner Relativitätstheorie, aber es fehlt ein wichtiger Baustein, der nur durch den Blick über den wissenschaftlichen und ökonomischen Tellerrand hinaus gefunden werden kann. Hier kann der Staat helfen, indem er auf solche Themen aufmerksam macht, Wissenschaft und Wirtschaft Anreize zur Zusammenarbeit gibt und sich an den Kosten beider Seiten beteiligt.

Was sind Forschungsprogramme?

Dafür gibt es Forschungsprogramme. Sie werden von staatsnahen Stiftungen, Ländern, dem Bund, der Europäischen Union aufgelegt und prinzipiell kann sich jeder bewerben, der zu einer der genannten Fragestellungen eine Idee zur Lösung und Partner für die gemeinsame Umsetzung anbietet. Er muss dazu seinen Lösungsansatz skizzieren, dieser sollte plausibel sein und es sollte klar werden, dass jeder der Partner einen wichtigen Beitrag leistet. In Europa hat beispielsweise gerade eines begonnen und nicht irgendeins, sondern das größte aller Zeiten. Es heißt Horizon 2020. Der Name war auch die Vorlage für den Titel dieses Beitrags, denn er ist nicht sonderlich kreativ, aber einleuchtend. Man will, dass länderübergreifende Konsortien von Forschungspartnern hinter den Hozizont dessen blicken, was die Technologie heute hergibt, Produkte gemeinsam entwickeln, die gesellschaftliche Probleme lösen und helfen, technische Barrieren abzubauen. Die YellowMap AG ist auch wieder dabei. Die Bereiche die uns dabei besonders interessieren haben natürlich mit Kartenanwendungen und mobilen Geräten und zu tun.

An solchen Forschungsprogrammen nehmen wir regelmäßig teil und die Ergebnisse stecken in vielen unserer Produkte. Hin und wieder nutze ich diesen Blog, um über besonders erwähnenswerte Ergebnisse zu berichten. Im Zuge des Redesigns unserer Webseite werden aber auch regelmäßig zu allen Projekten allgemeine Informationen veröffentlicht.

Bis dahin möchte ich Euch liebe Leser dazu aufrufen, neugierig zu sein. Wenn ihr eine tolle Idee oder auch Interesse an einer Karriere im Forschungsbereich habt, dann sprecht mich gerne an.

Bis dahin wünsche Euch ein fröhliches Gehirnstürmen…

Euer Richard

Richard Wacker

Richard Wacker

Die männliche Quasselstrippe unter den YellowMaplern: Egal ob es um schwarze Löcher oder Patentsrechtproblematik geht, Richard kann zu jedem Thema etwas sagen. Ein breitgefächertes Themenfeld gehört auch zu seinem Berufsalltag als Forschungsleiter: Von Festivals über Notfallszenarien bis hin zu Management von sozialen Netzwerken ist alles dabei. Mit seiner Redegewandtheit kann er andere schnell für seine Themen und kreativen Ideen begeistern. In seiner Freizeit heißt das Motto „Augen zu und durch“, wenn er die Straßen mit seinem Motorrad unsicher macht.
Richard Wacker

Letzte Artikel von Richard Wacker (Alle anzeigen)