Elektromobilität – Was bringt das Jahr 2014?

Mittwoch, 26. März 2014 at 16:35

Seit die Bundesregierung 2011 das Ziel ausgegeben hat, bis 2020 eine Million E-Fahrzeuge auf den Straßen zu haben, ist Elektromobilität in aller Munde. Ein sehr ambitionierter Plan, wenn man die aktuellen Statistiken betrachtet. Im Jahr 2013 wurden insgesamt 6051 Elektrofahrzeuge in Deutschland zugelassen. Im Vergleich zum Jahr 2012 sind dies doppelt so viele Neuzulassungen. Trotzdem lässt sich sofort erkennen, dass Elektromobilität in Deutschland noch eine untergeordnete Rolle spielt. Zahlen wie 448 E-Fahrzeuge oder 0,2 % der Gesamtzulassungen für Februar 2014 sprechen gegen eine rasche Zunahme. In den Medien wird das Thema zunehmend kritisch beleuchtet. Auf dem gerade zu Ende gegangenen 84. Internationalen Auto Salon in Genf spielten E-Fahrzeuge keine große Rolle. Der ursprüngliche Hype um Elektromobilität scheint vergangen zu sein und das, obwohl inzwischen deutlich mehr Modelle verfügbar sind.

Was muss sich also in diesem Jahr ändern, damit sich E-Fahrzeuge auch in Deutschland durchsetzen? Wichtige Rollen spielen sicherlich die Politik, die Industrie und letztendlich natürlich auch der Verbraucher. Auch er muss seine Gewohnheiten ein Stück weit ändern. Im ersten Teil dieses Blogartikels werde ich die Rollen der Politik und Industrie näher beleuchten.

Die Politik hat zwischenzeitlich die Zeichen der Zeit erkannt und Gesetzesinitiativen für gratis Parken oder Sonderparkplätze für Elektroautos zur Diskussion gebracht. Diese Gesetzesinitiativen müssen aber noch umgesetzt werden. Aktuell bekommen Autofahrer, die ihren Spritschlucker auf für E-Fahrzeuge gekennzeichneten Ladeplätzen abstellen, nichtmal ein einfaches Knöllchen. Auch eine auf unserem E-Mobilitätsportal www.smarttanken.de als frei gekennzeichnete E-Tankstelle kann so schnell unerreichbar für den Elektrofahrer sein. Hinzu kommt, dass man bei einem liegen gebliebenen E-Fahrzeug nicht einfach an der nächsten E-Tankstelle neuen „Kraftstoff“ erwerben kann. Probleme gibt es auch durch ein anderes ambitioniertes Projekt in Deutschland – die Energiewende. Zwar wird momentan Strom an Ladestationen oft noch verschenkt, aber sobald sich das ändert, gelten für Fahrstrom die normalen Strompreise. Diese steigen und damit sinkt auch der Anreiz, ein Elekrofahrzeug zu erwerben. Eine Idee wäre den Fahrstrom günstiger zu behandeln, aber das wäre schwierig umzusetzen und ist auch nicht geplant. Immerhin einen Punkt hat die Politik schon umgesetzt: Seit letztem Jahr sind Elektroautos von der Kfz-Steuer befreit.

Von der Stromindustrie muss vor allem die Klärung der Frage zur einheitlichen Ladeinfrastruktur und deren Integration in das vorhandene Stromverteilnetz vorangetrieben werden. Die Anzahl der E-Tankstellen stellt hierbei ein, aber nicht das einzige, Problem dar. In unserem Elektrotankstellenverzeichnis sind für Deutschland zwar ca. 2000 E-Tankstellen verzeichnet, gegenüber 14.500 herkömmlichen Tankstellen ist das eher mager. Zudem gibt es pro Tankstelle meist 6 und mehr Tankplätze, die Betankung dauert nur 5-10 Minuten und ein Auto kommt damit teilweise über 1000 km weit. Der Blick auf die Karte zeigt außerdem, wie ungleich Gebiete erschlossen sind. Dem Ausbau öffentlicher Ladestationen steht auch das Netz teilweise im Weg, denn Ladestationen brauchen viel Strom. Den gibt es aber nur dort, wo eine entsprechende Leitung liegt und das hängt vom Verteilnetz ab. Noch schwieriger wird es durch die uneinheitlichen Lade- und Bezahlsysteme.

Habt Ihr euch schon einmal Gedanken darüber gemacht, ob die nächste Tankstelle den richtigen Kraftstoff für euer Fahrzeug hat? Und selbst wenn der Stecker passt, wäre es schon unkomfortabel, wenn man sein Auto nur an einer der ca. 40 deutschen Tankstellenketten betanken dürfte. Es gibt aber fast 1000 Stromlieferanten. Man stelle sich ein Handschuhfach mit 1000 Ladekärtchen vor – ganz abgesehen von der Suche nach dem passenden… 😉 Einheitliche Bezahl- und Reservierungssysteme gibt es noch nicht und selbst wenn alles passt, blockiert am Ende vielleicht Nachbars SUV genau diese Parkfläche.

Von der Automobilindustrie ist vor allem eine Weiterentwicklung der Batterietechnologie und die damit verbundene höhere Reichweite unabdingbar. Im Schnitt werden von den Automobilherstellern 150 Kilometer Reichweite für E-Fahrzeuge angegeben. Diese Reichweite sinkt im Winter durch die Verwendung von Verbrauchern wie Heizung oder Licht und der niedrigeren Leistungsfähigkeit des Akkus auf etwas über 50 Prozent ab. Entsprechend können Distanzen, die im Sommer problemlos bewältigt werden, im Winter nicht mehr gefahren werden. Zudem hängt der Verbrauch der Heizung nicht von der gefahrenen Distanz, sondern von der Fahrzeit ab. Staus, Behinderungen und Sperrungen können so leicht dazu führen, dass das Fahrzeug dennoch liegen bleibt. Im elektromobilen Musterland Norwegen, in dem immerhin 1 % der zugelassenen Fahrzeuge E-Fahrzeuge sind, haben daher viele Fahrzeuge eine Extraheizung an Bord. Die läuft mit Benzin, verbraucht aber nur einen Bruchteil eines herkömmlichen Motors und besitzt einen hohen Wirkungsgrad, weil sowohl die Abwärme als auch die erzeugte Energie optimal genutzt werden können.

Im nächsten Teil dieses Artikels werde ich näher auf die bestehenden Vor- und Nachteile der Elektrofahrzeuge wie den oft kritisierten Preis eingehen.

Natürlich interessiert  mich brennend, wie Ihr zum Thema Elektromobilität steht. Hattet Ihr schon die Möglichkeit ein E-Fahrzeug Probe zu fahren oder habt Ihr ein Fahrzeug mit Elektroantrieb aus oben genannten Gründen noch nicht in Betracht gezogen?

Abschließend noch ein paar Impressionen von der IAA 2013:

Christian Nickel

Christian Nickel

Christian ist einer der jüngsten im YellowMap-Team und steckt jeden mit seiner unerschütterlichen guten Laune an. Er scheint oft an vielen Orten gleichzeitig zu sein und kann in Sekundenbruchteilen von einem Gesprächspartner zum anderen umschalten, was manchmal für Ver- oft auch für Bewunderung im Team sorgt. Christian hilft wo er kann und selbst wenn er bereits fünf Bälle jongliert wird niemand abgewiesen. Kreative Arbeiten sind seine Leidenschaft, die sich auch in von ihm betreuten Produkten und Projekten widerspiegelt. Wer Vorschläge zu neuen Ideen braucht, ist hier genau richtig. Christian legt großen Wert auf gute Vorbereitung und was er macht ist immer erste Sahne.
Christian Nickel