E-Sponder – ein innovatives System für das Krisenmanagement

Dienstag, 10. Juni 2014 at 16:20

Liebe Leser, ich war in meiner Funktion als Forschungsleiter wiedermal auf einem „Außentermin“. Diesmal ging es um das Projekt E-Sponder – ein Forschungsvorhaben im Rahmen des Framework Program 7 (FP7) der EU. Das E-Sponder-System unterstützt das Krisenmanagement bei Katastrophenszenarien. Hierfür wurde eine Reihe von Hard- und Softwarekomponenten entwickelt, die den Beteiligten die Arbeit erleichtern sollen. Bei Erdbeben, Waldbränden, Flutkatastrophen, aber auch Krawallen müssen meist Akteure verschiedener Institutionen koordiniert werden. Information muss gesammelt, erfasst und an die richtigen Stellen geleitet werden. E-Sponder fusst dazu auf einem unabhängigen Kommunikationsnetzwerk, das auf Standards wie IP, TCP, REST und SIP aufsetzt. Es soll die verschiedenen Entscheidungs- und Ausführungsebenen besser vernetzen, zusätzliche Informationen automatisch einspeisen und diese optimal darstellen. E-Sponder betrachtet in Krisenszenarien drei unterschiedliche Ebenen, die sich auch in der Hierarchie der beteiligten Akteure wiederspiegeln.

Ebenen in E-Sponder

Schutzkleidung_4Die Basis bilden die Einsatzkräfte (First Responder), die in Teams mit einem Teamleiter vor Ort Feuer bekämfpen, medizinische Hilfe leisten, Betroffene bergen oder für Sicherheit sorgen. Sie bekommen durch E-Sponder einen speziellen Anzug, in den verschiedene Sensoren und Kommunikationsmittel fest integriert sind. Die Sensoren erfassen ständig Vital- und Umgebungsdaten, die ins System eingespeist werden. Via SIP können die Einsatzkräfte untereinander und mit den höheren Ebenen Sprachverbindungen aufbauen.

MEOCDie zweite Ebene sind taktische Einsatzleiter der beteiligten Institutionen, die in einem speziell hierfür ausgestatteten Fahrzeug – dem MEOC (Mobile Emergency Operations Center) – arbeiten. Das Fahrzeug verfügt über Systeme zur Lokalisierung, Überwachung und Kommunikation und interaktiven Erfassung von Lageinformation. Außerdem stellt es über ein aufgespanntes Funknetz die lokale Kommunikation bereit. Das MEOC kann sich dem Einsatzgebiet nähern, bleibt aber außerhalb der unmittelbaren Gefahrenzone. Über Infrastruktur oder Satellitenfunk bleibt es mit der nächsten Ebene in Kontakt.

Das EOC (Emergency Operations Center) ist ein Gebäude, in dem sich der Krisenstab befindet. Hier werden strategische Entscheidungen getroffen. E-Sponder bietet für das EOC spezielle technische Hilfsmittel wie einen interaktiven Planungstisch, auf dem verschiedene Anwendungen zur Darstellung, Erfassung und kollaborativen Auswertung von Informationen aus dem Feld laufen. Zudem gibt es mit dem Optimizer ein System zur Entscheidungsunterstützung, das geeigenete Reaktionen auf eingetretene Ereignisse automatisch vorschlagen kann. Auch hier läuft die direkte Kommunikation über Sprache. Aber auch die aktuellen Daten aus den MEOC-Systemen werden in Echtzeit erfasst.

YellowMap in E-Sponder

EOCKartenlösungen bieten für die Darstellung aber auch Erfassung von Information aus dem Einsatz eine ideale Grundlage. Inspiriert von historischen Beispielen wie Kartentischen in Seefahrt und Militär hat YellowMap daher eine spezielle Kartenlösung entwickelt. Basierend auf einer OSM-Karte zeigt sie in Echtzeit die Positionen von EOC, MEOC und Einsatzkräften an, erlaubt Zugriff auf die Sensordaten und die direkte Initiierung von SIP-Verbindungen. Außerdem können in die Karte besonders gefährdete Areale (Polygone), Punkte und Linien eingezeichnet und Beschreibungen derselben eingetragen werden. Dabei verwendet die Anwendung ein einheitliches Set an Symbolen, die allgemein und schnell verständlich zeigen, welche Art von Bedrohung, Ressource, geplante oder laufende Operation an der jeweiligen Stelle vorliegt. Durch die Architektur ist es möglich, gleichzeitig solche Änderungen durchzuführen, wobei die Updates unmittelbar für alle sichtbar werden. Typisch für YellowMap – die Anwendung läuft nicht nur auf den E-Sponder-Plattformen, sondern nahezu beliebigen Endgeräten, selbst auf Tablets und Smartphones.

Vorstellung für die Nutzer

Am 23.05.2014 wurden die späteren Testpersonen von der Flughafenfeuerwehr des Schiphol-Airport in die Anwendung eingewiesen. Vorher fand an zwei Tagen der vollständige Aufbau und die Einrichtung des Systems statt. Dazu wurde das MEOC und auch alles weitere Equipment per Fracht vom Partner Panou in Griechenland nach Amsterdam gebracht. Dort wurde dann unter den Augen der Gastgeber aufgebaut, gestöpselt, konfiguriert und getestet. Am Freitag fand dann die offizielle Einweisung statt. Besondere Begeisterung kam bei der neuen Klamotte auf, die extra von einer Spezialfirma für feuerfeste Dienstbekleidung angefertigt und mit Taschen für die Sensoren und das Smartphone versehen wurde. Für die Feuerwehr war hinsichtlich der Ausrüstung vor allem wichtig, dass

  1. Die gesamte Elektronik möglichst schnell einsatzbereit ist.
  2. Diese auch unter Einsatzbedingungen zuverlässig arbeitet.
  3. Sich der mitgeführte Teil gut tragen lässt.
  4. Alle Systeme einfach und intuitiv zu bedienen sind.

Das Fazit

Zwei Bedingungen konnten unmittelbar erfüllt werden. Einer der Feuerwehrleute rannte unter dem Applaus der Kollegen mit der gesamten Ausrüstung 10 mal die TrainingAußentreppe des Gebäudes hoch und runter und war sichtlich begeistert. Zum Aktivieren genügte allein das Trennen von der Ladeeinrichtung. Auch die MEOC-Ausrüstung fährt (wenn das System einmal vollständig eingerichtet ist) mit einem Knopfdruck in wenigen Minuten hoch, was üblicherweise genügt. Das EOC ist ohnehin ständig aktiviert und braucht daher nicht extra hochgefahren zu werden. Dennoch ist es ebenso schnell online wie das MEOC. Die Bedienung der Map-Oberflächen war offensichtlich so intuitiv, dass keine weiteren Erklärungen nötig waren. Den endgültigen Beleg der Einsatzfähigkeit müssen allerdings echte Feldtests liefern.

Den Bericht zum ersten Feldtest im Juni werde ich in einem zweiten Teil nachliefern und da gehts richtig zur Sache. Muskelbepackte Feuerwehrleute werden sich dabei heldenhaft in den Rumpf eines brennenden Flugzeugs stürzen um arme halbverkohlte Plastikpuppen zu bergen!!! Also dranbleiben!

Bis bald

Euer Richard

Richard Wacker

Richard Wacker

Die männliche Quasselstrippe unter den YellowMaplern: Egal ob es um schwarze Löcher oder Patentsrechtproblematik geht, Richard kann zu jedem Thema etwas sagen. Ein breitgefächertes Themenfeld gehört auch zu seinem Berufsalltag als Forschungsleiter: Von Festivals über Notfallszenarien bis hin zu Management von sozialen Netzwerken ist alles dabei. Mit seiner Redegewandtheit kann er andere schnell für seine Themen und kreativen Ideen begeistern. In seiner Freizeit heißt das Motto „Augen zu und durch“, wenn er die Straßen mit seinem Motorrad unsicher macht.
Richard Wacker

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