Der Equal Pay Day

Freitag, 21. März 2014 at 16:15

Heute ist der Equal Pay Day. An diesem Tag geht es Gleichbehandlung von Menschen an einer äußerst empfindlichsten Stelle – dem Geldbeutel. Es ist eine Tatsache, dass zwischen den Durchschnittsgehältern von Männern und Frauen eine große Kluft von 22 % besteht. Sie ist teilweise auch durchaus plausibel zu erklären. So arbeiten Frauen im Durchschnitt häufiger in eher mäßig bezahlen Jobs, als Verkäuferin im Einzelhandel, als Sprechstundenhilfe, Krankenschwester, in der Altenpflege und so weiter. Aber selbst wenn es um dieselbe Position geht, ist die Diskrepanz statistisch signifikant. Sie beträgt immerhin noch 7 %. Das empfinden viele als ungerecht, wobei Gerechtigkeit ein Begriff ist, zu dem nicht nur unter Juristen (die dafür bekannt sind), zwei Parteien schon auf 3 Meinungen kommen. Die Diskussion sollen andere führen.

Stattdessen möchte ich als Forscher mal versuchen, wertneutral eine Erklärung zu finden. Und weil ich ein ehrgeiziger Forscher bin, stelle ich eine These auf, die sowohl die 22 als auch 7 % erklärt. Ich habe vor kurzem eine Reality-Show gesehen, bei der es darum ging, die Gehälter aller Mitarbeiter in einer Firma offen zu legen. Die Sendung wurde in seriösen Medien teilweise verrissen, aber wenn man alle reißerische Rhetorik eliminiert, war sie durchaus spannend. Die Abweichungen waren oft trotz gleicher Arbeit groß. Beeindruckend aus meiner Sicht war, dass ein Mitarbeiter, der sehr großen Einsatz zeigte und dem hervorragende Leistungen bescheinigt wurden, gehaltsmäßig runter fiel. Er brachte unbezahlte Überstunden, bildete sich privat fort und zeigte großen Arbeitseifer. Sein Engagement entstammte aber einem ausgeprägten Verantwortungsgefühl gegenüber der Firma und den Kunden. Er sprach kaum darüber und betrachtete das als selbstverständlich. Auf das höchste Gehalt in vergleichbarer Position kam ein Mitarbeiter, der zwar gewissenhaft, gut und zuverlässig war, aber jede Überstunde und Fortbildung peinlichst genau erfasste und auch nur leistete, wenn sie auch entlohnt wurde. Außerdem vermeldete er jeden Erfolg sofort dem Chef.

Wie passt das nun zum Thema? Der gut bezahlte Mitarbeiter war nur durch Geld zu motivieren. Der Vernachlässigte war aus sich selbst heraus motiviert. Nach der Aussage von oben, dass Frauen oft in schlechter bezahlten Berufen arbeiten, ergibt sich ja auch die Frage, warum sie das tun. Schließlich haben sie durchschnittlich die besseren Schulabschlüsse und Ausbildungsnoten. Es ist aber oft der Einsatz für Menschen, gerade auch Kranke und Alte, der sie antreibt. Das Geld spielt bei der Wahl wohl eine untergeordnete Rolle. Auch Frauen in ähnlichen Positionen wird, wie dem schlechter bezahlten Mitarbeiter, oft eine überdurchschnittliche Leistungsbereitschaft nachgesagt.

These: Unter Frauen ist eine hohe Eigenmotivation häufiger als unter Männern und sie reden seltener über ihre Erfolge.

Jetzt können sich die Gender-Theoretiker darüber streiten, ob dieses Verhalten angeboren oder erlernt ist. Trifft diese These zu ist bestätigt, dass Frauen wohl das altruistischere Geschlecht sind. Das führt in einem auf Egoismus aufbauenden Wirtschaftssystem zu Nachteilen. In der Pflicht stehen wir vielleicht alle ein wenig, egal ob Chef oder Kollege. Wir sollten ein waches Auge auf solche Ungerechtigkeiten haben und vielleicht ist auch eine offene Diskussion auch ein guter Weg. Wir bei YellowMap pflegen ein sehr persönliches Verhältnis untereinander und wissen unsere Kollegen zu schätzen – auch jene, die weniger über ihre Leistungen sprechen. Das Ziel sollte es sein, dass dieses „zu schätzen wissen“ in Unternehmen auch eine monetäre Konnotation erhält…

 

 

Richard Wacker

Richard Wacker

Die männliche Quasselstrippe unter den YellowMaplern: Egal ob es um schwarze Löcher oder Patentsrechtproblematik geht, Richard kann zu jedem Thema etwas sagen. Ein breitgefächertes Themenfeld gehört auch zu seinem Berufsalltag als Forschungsleiter: Von Festivals über Notfallszenarien bis hin zu Management von sozialen Netzwerken ist alles dabei. Mit seiner Redegewandtheit kann er andere schnell für seine Themen und kreativen Ideen begeistern. In seiner Freizeit heißt das Motto „Augen zu und durch“, wenn er die Straßen mit seinem Motorrad unsicher macht.
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