CriMaMap – Katastrophenschutz durch Karten

Freitag, 14. November 2014 at 11:14

Hallo liebe Leser,

im letzten Jahr hatten wir das zweite „Jahrhunderthochwasser“ innerhalb von nur 11 Jahren. Zum Glück waren zwar die Schäden groß, aber es gab nur wenige Tote und Verletzte. Insgesamt lief die Reaktion reibungsloser als im Jahre 2002. Als sehr bemerkenswert empfand ich den plötzlichen Sinneswandel der Menschen, denn die Hilfsbereitschaft war beeindruckend. In einer Gesellschaft, die sonst so sehr das Individuum betont, unterstützten überall Freiwillige die Rettungskräfte und packten selbst mit an. Aus Egoisten wurden Altruisten. Leider lehrt die Erfahrung, dass Gemeinschaftsgefühl und Problembewusstsein schnell wieder verschwinden, wenn die Erinnerung an das Ereignis verblasst. Dabei ist nach der Flut vor der Flut. Aber es ist ja auch nicht Aufgabe des Bürgers, sich mit diesem Problem herum zu schlagen. Wir haben es schließlich delegiert…

Katastrophenschutz – eine Aufgabe des Staates

Katastrophenschutz ist bei uns eine Aufgabe des Staates. Das war nicht immer so. Im Mittelalter gab es für dafür gar keine Institutionen, denn das Gemeinwesen hätte entsprechende Kräfte nicht vorhalten können. Feuerwehr, Bergung, Schadensbeseitigung bis hin zur Verteidigung waren Sache der Leute selbst. In Städten wurde das oft von den Zünften organisiert. Die Qualität dieser Bürgerselbsthilfe schwankte vermutlich zwischen dilettantisch und unprofessionell, aber man stellte sich darauf ein, indem man versuchte, die Aufgaben sinnvoll zu verteilen. So war bspw. die Schneidermauer in Rothenburg ein Teil der Stadtbefestigung, der im Angriffsfall von der Schneiderzunft bewacht wurde. Schneider waren wohl keine besonders furchteinflößenden Kämpfer – daher liegt sie an einer Stelle, die nur blinde und lebensmüde Angreifer für eine Attacke gewählt hätten. Einen Vorteil gab es aber auch: Jeder kannte jeden, Maßnahmen wurden gemeinsam beschlossen und es waren alle mit im Boot! Heute kann sich der Staat hochqualifizierte Spezialisten leisten. Die haben besseres Material und mehr Erfahrung und die Qualität ist entsprechend höher. Aber es zeigt sich, dass dieser Weg auch einen Nachteil hat. Von den Bürgern weiß nämlich keiner mehr Bescheid, weil keiner fest eingebunden ist. Wenn der Staat es dann nicht alleine schafft ist es äußerst schwierig, Bürger vernünftig einzusetzen und zwischen den Ereignissen entsteht sogar oft ein regelrechtes Gegeneinander zwischen Staat und Bürger. Maßnahmen fallen aus Bürgersicht vom Himmel und werden, wie in Grimma in Sachsen, vom Bürger blockiert oder zunichte gemacht. Und oft zieht nicht einmal der Staat am gleichen Strang, wie die Diskussionen um die Kosten der Vorsorge zeigen. Jedesmal braucht es erst einen Schock, damit die Leute ihre kleingeistigen Vorbehalte begraben und zusammenarbeiten.

Die optimale Lösung liegt dazwischen

Zweifellos sind speziell ausgebildete Kräfte und geeignete Geräte im Katastrophenschutz und der Krisenbewältigung einer Bürgerselbsthilfe überlegen. Trotzdem ist es kein Fehler, die Privatseite mit einzubinden. Während die meisten Einsatzkräfte erst den Einsatzort erreichen müssen, sind Bürger schon längst da. Auch sind es oft mehr Leute und Landwirte, Spediteure, Bauunternehmen haben Fuhrparks von denen die örtliche Feuerwehr und selbst das THW oft nur träumen können. Und sie stehen direkt um die Ecke. Auch ohne spezielles Training können sie einiges erreichen, wie die vielen privaten Helfer 2013 gezeigt haben. Was aber vielleicht noch wichtiger ist: Diese organisierten Bürger wären wertvolle Vermittler und Tippgeber. Sie können Maßnahmen mit ausarbeiten, dafür werben, sie anderen erklären und so allgemein für mehr Engagement eintreten. Viele Menschen und Unternehmen würden das sicher gerne tun, denn nichts ist schlimmer als Hilflosigkeit! Aber dafür müssten Staat und Bürger engere Beziehungen pflegen, sich über Fähigkeiten und Bedarfe austauschen und ihre Zusammenarbeit planen. Wichtig wäre auch, dass sie sich auf ein (möglichst einfaches) Medium verständigen, über dass sie Informationen auftauschen können. Soziale Netzwerke und Kartenlösungen haben sich dafür bereits beim Hochwasser 2013 als geeignet, Bürger mit Bürgern zu vernetzen. Warum also nicht auch Bürger und Staat?

Vielleicht ein neues Projekt

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat die Lösung des Problems als Forschungsprojekt ausgeschrieben und YellowMap hat sich wie sicher viele andere darum beworben. Gemeinsam mit einem XRM-Anbieter, einem Sensorik-Spezialisten, einem Experten für Massendatenverarbeitung und einer Forschungseinrichtung, die Social Media-Analyse und semantische Technologien erforscht, hoffen wir, bald ein passendes System entwickeln zu dürfen. Es kombiniert ein Beziehungsmanagement mit verschiedenen intelligenten Erweiterungen wie:

  • Hilfen zur Beschreibung von Material, Ressourcen und Bedarfen für Privatleute.
  • Integrierte Sensorikanbindung.
  • Anbindung an soziale Netzwerke.

und eine integrierte Kartenlösung, die das Versionieren von Karten erlaubt. So kann eine Karte auch ein fiktives Szenario wie einen geplanten Ausbaustand ein Krisenszenario oder die Kombination zeigen.

 

 

Richard Wacker

Richard Wacker

Die männliche Quasselstrippe unter den YellowMaplern: Egal ob es um schwarze Löcher oder Patentsrechtproblematik geht, Richard kann zu jedem Thema etwas sagen. Ein breitgefächertes Themenfeld gehört auch zu seinem Berufsalltag als Forschungsleiter: Von Festivals über Notfallszenarien bis hin zu Management von sozialen Netzwerken ist alles dabei. Mit seiner Redegewandtheit kann er andere schnell für seine Themen und kreativen Ideen begeistern. In seiner Freizeit heißt das Motto „Augen zu und durch“, wenn er die Straßen mit seinem Motorrad unsicher macht.
Richard Wacker

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